15. Mai 2013 | von Alle Beiträge anzeigen von
Dr. Falk Ambos
| Thema: Digitalisierung von ProzessenAlle Beiträge zu diesem Thema anzeigen, Support- und Managed ServicesAlle Beiträge zu diesem Thema anzeigen | 1.619 Besucher

Paradigmenwechsel in der IT – Business Prozesse geben heute den Ton an

Am Empfang unserer Firma steht eine Vitrine mit Computertechnik aus alten Zeiten. Man kann beim Hineinschauen gut erkennen, wie rasant sich Computer, Mobiltelefone und Festplatten verändert haben.
Wurde um die Jahrtausendwende noch von Mobiltelefonen in Zigarettenschachtelgröße philosophiert, so ist das für uns heute allgegenwärtige Realität.

Beim Betrachten der Vitrine denke ich oft an die Anfänge der 90iger Jahre zurück, in denen der Enthusiasmus für Computertechnologie so richtig entbrannte und es schick war immer die neueste Technik im Unternehmen einzusetzen. Für manche IT-Chefs mutierte die Technik sogar zum Statussymbol, es war einfach hipp, immer auf dem letzten Stand der Technik zu sein. Auch die IT-Budgets der Unternehmen wuchsen in dieser Zeit immer stärker, IT-Chefs konnten oft problemlos Steigerungen bei Investitionen und Kosten durchsetzen. Das klassische Controlling mit Amortisations- und TCO-Rechnungen hatte in dieser Zeit einen schweren Stand, denn den Vorwurf der Verschwendung parierte die IT-Abteilung mit der hohen global-strategischen Bedeutung von Informationstechnologie.

1. Die Zeiten haben sich gewandelt

Inzwischen hat sich vieles verändert. Der Hype findet heute getrieben von Apple & Co. vor allem im Endgerätebereich, das heißt in erster Linie im privaten Umfeld statt. Im Business wurde laut der Studie zum Informationstechnologiemarkt 2013 von Hans-Peter Büttgenbach die IT inzwischen auf die Mittelebene der Wertschöpfung zurückgestuft. IT soll in erster Linie Services für andere Subsysteme auf effiziente Art und Weise erfüllen. Die Reihenfolge Strategie – Prozesse – Informationstechnologie steht seiner Aussage nach auch für die Prioritäten. Anders gesagt, die IT wird immer mehr als Mittel zum Zweck gesehen.

Leider hat Herr Büttgenbach in seiner Studie einen Faktor außer Acht gelassen – nämlich den menschlichen. Denn schließlich geht es darum die Menschen in den Unternehmen von wiederkehrenden, einfachen Tätigkeiten zu entlasten, die ein technisches System durch Standardisierung und Automatisierung zuverlässiger und schneller erledigen kann.

Betrachtet man die IT aus dieser Perspektive hat sie sehr wohl ein hohes Potenzial hinsichtlich der Entlastung der Menschen und der Gewinnung von Zeit, die für anspruchsvolle Aufgaben dann zur Verfügung steht.

2. Das neue Paradigma – IT als Businessunterstützer

Allerdings steht die IT damit auf der gleichen Stufe wie andere Automatisierungstechnologien, die in der Wirtschaft zum Einsatz kommen und wird zu einem normalen Mittel zur Steigerung von Arbeitsproduktivität und Wertschöpfung und muss sich dahingehend auch vergleichen lassen.

Die Besonderheit, d.h. der Hype-Charakter, der IT existiert nicht mehr, denn warum soll die ebenfalls noch junge Industrierobotertechnologie nicht genauso hoch in der Bedeutung stehen wie bspw. die Nutzung eines E-Commerce Systems?

Im Gegenteil, die digitale Durchdringung unserer Welt erzeugt auch die eine oder andere opportunistische, um nicht zu sagen kostensteigernde, Entwicklung. Denkt man nur mal an die Herausforderungen beim Schutz der Unternehmen vor Netzwerkspionage und digitalem Vandalismus. Die Betrachtung sollte also durchaus nüchtern erfolgen.

robots in a car factoryWenn man jedoch andererseits einmal darauf schaut, wer in den Unternehmen für die Anschaffung von wert- und produktivitätssteigernden Technologien zuständig ist, dann fallen einem zunächst einmal die Fachabteilungen ein. So entscheidet bspw. der Produktionschef über den Einsatz von Industrierobotern und nicht irgendein Chief Technologie Officer. Genauso sollte es also auch bei dem E-Commerce System sein. Der Marketing- bzw. Vertriebschef ist letzten Endes die richtige Person bei der Entscheidung, ob ein solches System für das Unternehmen Sinn macht. Selbstverständlich braucht er bei der Umsetzung und der Integration ins Unternehmensnetzwerk die Unterstützung der IT-Abteilung, aber die braucht der Produktionschef ja auch von den Fabrikplanern oder der Facility-Management Abteilung, wenn er die Industrieroboter einsetzen will.

Meines Erachtens wird die Bedeutung zentraler IT-Funktionen in Vorständen und Geschäftsleitungen abnehmen. Die zentrale IT steht immer mehr für die Schaffung von Rahmenbedingungen für den Einsatz von Informationstechnologie, optimiert Schnittstellen und schafft Standards dort, wo es sinnvoll ist. Wenn bei Siemens bspw. die 216 SAP-Systeme im Unternehmen auf 60 reduziert werden sollen*, dann macht das durchaus Sinn. Wenn aber Nutzenpotenziale durch den Einsatz spezifischer Anwendungen in Fachabteilungen, durch die Allmacht der IT-Abteilung verhindert werden und die einzige Wahl SAP darstellt, dann braucht man sich nicht wundern, dass die Initiative und das eigenverantwortliches Handeln der Fachbereiche ausbleiben. Aus diesem Grund sollte sich die IT-Abteilung auf die Konsolidierung der vorhandenen Landschaft, die Einhaltung von Governance Vorgaben und die Unterstützung der Fachbereiche bei der Einführung neuer Systeme beschränken.

Der best of breed Ansatz ist deshalb zu bevorzugen, denn er erlaubt die Ausschöpfung der wertsteigenden Möglichkeiten im Unternehmen und erhöht zugleich die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter.

Die aktuellen Entwicklungen getrieben durch die Standardisierung der IT, die ihren prägnantesten Ausdruck im Cloud-Computing findet, lassen immer mehr zu, dass Fachbereiche nur noch in geringem Maße auf die eigenen IT-Abteilung angewiesen sind, wenn die Umsetzung fachspezifischer IT-Prozesse in Angriff genommen wird.

Auch wenn es die IT aus der Steckdose nie in Reinform geben wird weil die Unternehmensprozesse und deren Betriebsanforderungen einfach zu vielgestaltig sind, so wird durch die Cloudangebote hier schon einmal der Weg der Zukunft vorgezeichnet. Spezialisierte Dienstleister werden immer besser die Anforderungen der Fachbereiche bei der kompletten, rückfragefreien Betreuung von IT-gestützten Prozessen erfüllen. Die Unternehmen gewinnen dadurch an Effizienz, Flexibilität und Zeit für die Fokussierung auf ihre eigenen Stärken. Durch den sinnvollen Einsatz von Managed Services an den richtigen Stellen im Prozess, welche durch hochspezialisierte Dienstleister erbracht werden, können Unternehmen neben den positiven Effekten auf die Ressourcen zum IT-Betrieb auch schneller auf Veränderungen reagieren sowie Verfügbarkeit und Performance verbessern.

Reaching Full Potential Speedometer Tracking GoalIn Summe wird damit ein wichtiger Beitrag zum Unternehmenserfolg geliefert durch die intelligente Gestaltung von IT-gestützten Prozessen, wo es im Unternehmen mit Blick auf die Wertschöpfung am meisten Sinn macht.

* – aus Informationstechnologiemarkt 2013 von Hans-Peter Büttgenbach

 

 


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