16. Juni 2015 | von Alle Beiträge anzeigen von
Dr. Falk Ambos
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Industrie 4.0, Vision und Realität – Teil 2: Industrie 4.0 und der Faktor Mensch

Wie in Teil 1 der Einführung zu Industrie 4.0 bereits skizziert, scheint es also derzeit hauptsächlich der Faktor Mensch zu sein, der der nächsten „industriellen Revolution“ noch im Weg steht. Dies bestätigt auch die „Industrie 4.0-Studie“ der Firma CSC, deren Ergebnisse im März 2015 vorgestellt wurde.

Die Arbeitswelt in Deutschland sei auf eine vernetzte Produktion (Industrie 4.0) nicht vorbereitet, erklärt CSC bei der Veröffentlichung der Studienergebnisse. In knapp jedem zweiten Unternehmen fehle es heute schon an Fachkräften, die mit IT-Wissen plus Fertigungs-Know-how die vierte industrielle Revolution gestalten könnten. Zudem plane nicht einmal jeder vierte Betrieb Aus- und Weiterbildungsprogramme zum Thema Industrie-4.0. Eine Schlüsselrolle für die Umsetzung der Vision von einer intelligenten Fabrik sieht CSC deshalb auch beim HR-Management.

“In der Industrie 4.0 konzentrieren sich die Betriebe derzeit in erster Linie auf die Lösung technologischer Herausforderungen”, sagt Prof. Dr. Peter Körner, Experte für Personalmanagement bei CSC. “Die Folgen der Transformation für die Arbeitsorganisation werden in der Praxis jedoch noch massiv unterschätzt. Vom konkreten Anforderungsprofil für eine Fachkraft-4.0, über neue Arbeitsmodelle für Projektphasen bis zur stärkeren Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse – klaffen offene Baustellen in deutschen Unternehmen.”

Industrie 4.0 – Evolution statt Revolution

Auch wenn im Zusammenhang mit Industrie häufig wie eingangs erwähnt von der vierten industriellen Revolution gesprochen wird, gehen wir davon aus, dass es sich dabei eher um eine Evolution handeln wird, deren Umsetzung noch eine Weile in Anspruch nehmen wird. Für diese Einschätzung spricht eine ganze Reihe von Gründen. Auf der einen Seite gibt es da den ebenfalls bereits angesprochenen Faktor Mensch. An der Technik wird bereits eifrig „gebastelt“, doch erst wenn die von Prof. Dr. Körner angesprochenen „Baustellen“ im Personalmanagement beseitigt sind, wird Industrie 4.0 wirklich Realität werden.

Und auch auf der technischen Seite bestehen auch heute noch einige „Baustellen“. Die größte davon ist sicher das Thema Sicherheit. So erklärt die Firma Techconsult in der Einführung zum für die Firma Lancom erstellten Whitepaper mit dem Titel „Industrie 4.0 – Vernetzung braucht IT-Sicherheit“ bereits im Jahr 2013: „Im Kontext von Industrie 4.0 sind Probleme wie ungesichert aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen, die in letzter Zeit vermehrt publik wurden, Anzeichen für den Nachholbedarf, der bei der Absicherung von IT-Infrastruktur noch besteht. Bislang ist es nur ein gutes Viertel der Unternehmen, die eine eigenständige IT-Security-Strategie haben und diese auch überprüfen und aktualisieren. Gut die Hälfte behandelt IT-Security nur im Rahmen der allgemeinen IT-Strategie, ein Fünftel der Unternehmen arbeitet überhaupt erst noch an einer IT-Security-Strategie.“

Managed Security Services können zwar dabei helfen, eine IT-Security-Strategie umzusetzen, die auch den Bereich Industrie 4.0 abdeckt, doch auch diese Services müssen zuerst einmal konzipiert und implementiert werden.

Darüber hinaus befürchten schon jetzt Hersteller aus dem Anlagen- und Maschinenbau, dass im Zuge der Öffnung hin zu Internet-basierten Produktions- und Vermarktungskonzepten wie zum Beispiel Plattformen zur Vermarktung von Maschinendaten und -modellen ihr geistiges Eigentum in „falsche Hände“ geraten könnte. Das Thema „Schutz geistigen Eigentums“ stellt also gerade bei Industrie 4.0 im internationalen Kontext ein akutes Problem dar, das gelöst werden muss, bevor die „vierte Revolution“ auch stattfinden wird.

Industrie 4.0: Wer zu spät kommt …

Ob Zukunftsvision oder „Baustelle“ – wie in vielen Bereichen gilt auch für das Thema Industrie 4.0 das Gorbatschow-Zitat. Um für die „smart factory“ der Zukunft gerüstet zu sein, gilt es, sich schon heute mit dem Thema auseinanderzusetzen und Möglichkeiten für das eigene Unternehmen zu evaluieren. Vielleicht sind es ja genau die von Frau Dr. Horster oben angesprochenen „ersten Schritte“, die die Transformation zur intelligenten Produktion erleichtern. Eines steht auf jeden Fall fest: Die nächste industrielle Revolution wird kommen und deshalb beschäftigen auch wir bei SHD uns bereits intensiv mit diesem Thema. Wir arbeiten dabei mit führenden Unternehmen aus Industrie und Wissenschaft zusammen.

Wenn Sie sich also einen ersten Überblick verschaffen möchten, was Industrie 4.0 für Ihr Unternehmen bedeuten kann, freuen wir uns auf die Kontaktaufnahme.

Bildquelle/Copyright: © Marco2811 — fotolia.com

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