Industrie40_Logistik
25. August 2015 | von Alle Beiträge anzeigen von
Dr. Falk Ambos
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Industrie 4.0 in der Logistik – Auswirkungen auf die Branche

Was haben Logistiksysteme und Ameisen gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten Blick sehr viel, zumindest wenn man der Argumentation von Michael ten Hompel, Professor an der Universität Dortmund und Leiter des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) folgt. Denn seiner Meinung nach funktionieren moderne Logistik-Plattformen im optimalen Fall wie der so genannte Ameisenalgorithmus. Dieser besagt, dass Ameisen ihren Weg zu einer Futterquelle selbstständig durch die Weitergabe von Informationen in Form eines Duftstoffs bestimmen. Auf der Grundlage dieser Informationen findet der Ameisenverbund dann am Ende eigenständig den optimalen Transportweg, den dann alle Ameisen nutzen.

Lokal, so Prof. ten Hompel sei dieses Prinzip der Ameisen in der Logistik schon sehr gut umgesetzt, nun müsse die Integration dieser Systeme auf internationaler oder sogar globaler Ebene folgen. Doch auch diese Integration wird bald Realität sein. Davon gehen zumindest die Teilnehmer an der KPMG-Studie „Global Manufacturing Outlook 2014“ aus. Die Mehrzahl der 460 befragten Manager ist davon überzeugt, dass Sie in spätestens drei bis fünf Jahren mit einer autonomen, global integrierten Supply Chain arbeiten.

Industrie 4.0 führt zu Logistik 2.0: Cyber-Physische Systeme, zentraler Baustein einer Connected Supply Chain

Die Gründe für die Notwendigkeit, nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Logistik über Industrie 4.0 nachzudenken, liegen auf der Hand: Individualisierung und Dynamisierung auf Seiten der Nachfrage, die Herausforderungen der fortschreitenden Globalisierung und zunehmender Wettbewerbs- und Kostendruck als Folge.

Zentrale Komponente für die Logistik 2.0 sind die so genannten Cyber-Physischen Systeme (CPS). Sie verknüpfen physische und digitale Prozesse und führen damit zu einer Vielzahl neuer Funktionen und Services. Intelligente Objekte können im Rahmen eines CPS ihre Anwendungs- und Umgebungssituation erfassen, diese gemeinsam mit den Nutzern interaktiv beeinflussen und ihr Verhalten situationsspezifisch steuern. Aus dem gemeinsamen Agieren, aber auch autonomen Handeln zahlreicher mobiler und eingebetteter Logistikelemente ergibt sich letztendlich die Verknüpfung zwischen virtueller und physischer Welt.

Ohne leistungsfähige Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) keine Connected Supply Chain

Damit die oben skizzierte Vision allerdings Realität wird, ist eine leistungsfähige ITK erforderlich, und zwar in den folgenden Bereichen:

  • Automatische Identifizierung von Objekten, heute in der Regel durch Barcode- oder RFID-Technologie
  • Lokalisierung des aktuellen Standorts einer Logistikeinheit mit Remote Positioning oder GPS-basierten Lösungen
  • Sensortechnik zur Überwachung von Waren in Logistikprozessen im Hinblick auf Qualität und Sicherheit
  • Kommunikation und Vernetzung der Objekte als Voraussetzung für eine dezentrale, selbststeuernde und flexible Supply Chain.

Vorteile von Logistik 2.0 in Zeiten von Industrie 4.0

Aus heutiger Sicht liegen die Vorteile einer Digitalisierung zum einen in der Optimierung der Transparenz innerhalb der Supply Chain, was den Informationsfluss verbessert, Medienbrüche vermeidet und damit die Entscheidungsfindung auf Grundlage einer breiten Datenbasis erleichtert und optimiert.

Darüber hinaus führen Connected Supply Chains zu einer Optimierung der Prozesse. So können innerhalb der oben beschriebenen Cyber-Physischen Systeme an unterschiedlichen Stellen Status-Informationen einzelner logistischer Einheiten abgefragt werden. Damit lassen sich die Prozesse besser nachvollziehen, Defizite werden erkannt und können durch die entsprechenden Optimierungsmaßnahmen beseitigt werden. Dies führt letztendlich zu einer höheren Effizienz und Agilität des Gesamtnetzwerks.

Die in diesen neuen Logistiknetzen mögliche Optimierung des Automatisierungsgrads bietet letztendlich den Vorteil, dass relevante Logistikkosten, wie Lagerung und Transport gesenkt werden können.

Fazit: Industrie 4.0 ist schon lange kein Thema mehr, das ausschließlich für den Produktionsbereich gilt. Auch die Prozesse in der Logistik werden sich im Rahmen einer weiteren Digitalisierung auf dem Weg zur Logistik 2.0 deutlich ändern.

Quelle Infografik: https://home.kpmg.com/xx/en/home.html

Bildquelle/Copyright: © nikbu — fotolia.com

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